Wie Weidetiere das Klima schützen

3. Dezember 2025

Weidegemeinschaft Donaumoos wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Naturschutzpartner Landwirt 2025“ ausgezeichnet

Schottische Hochlandrinder werden zum Erfolgsmodell: Seit April 2024 beweiden sieben Landwirte aus allen Leipheimer Stadtteilen gemeinsam eine große zusammenhängende Fläche im Leipheimer Moos. Für diese besondere Art des Umweltschutzes wurde die Weidegemeinschaft Donaumoos nun vom Bayerischen Umweltministerium im Rahmen des Wettbewerbs „Naturschutzpartner Landwirt 2025“ ausgezeichnet. Das erfolgreiche Projekt soll sogar noch weiter ausgebaut werden, wie die Landwirte und die ARGE Donaumoos in einem gemeinsamen Gespräch mit Landrat Hans Reichhart und Leipheims Bürgermeister Christian Konrad erklärten. Die Flächen werden vom Landkreis Günzburg, der Stadt Leipheim sowie von Privatpersonen zur Beweidung bereitgestellt.

Das Leipheimer Moos ist Teil des 4.000 Hektar großen Niedermoorkörpers im Schwäbischen Donaumoos. Jahrzehntelang wurde das trockengelegte Moos als Schafsweide genutzt, bis 2011 mit der Wiedervernässung des Gebiets begonnen wurde. Seither bieten die Flächen wieder deutlich bessere Bedingungen für viele moortypische Tier- und Pflanzenarten. „Unser Ziel ist es, diese Form der naturschutzorientierten Pflege auf weitere passende Flächen zu erweitern“, sagt Raphael Rehm, Geschäftsführer der ARGE Donaumoos. Die ARGE Donaumoos übernimmt dabei die fachliche Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und stellt sicher, dass jede neue Weidefläche zum jeweiligen Schutzgebietsstatus und den Erhaltungszielen passt. Das Leipheimer Moos hat sich seit der Wiedervernässung deutlich verändert. „Die natürlichen Wasserstände werden wir großflächig allerdings nicht mehr erreichen“, sagt Raphael Rehm. Hier kommen die Landwirte ins Spiel. Denn die Flächen im feuchten Moos müssen weiterhin gepflegt werden. Für klassische landwirtschaftliche Maschinen ist dies kaum möglich. Viele herkömmliche Nutztiere kommen mit den dauerhaft nassen Bedingungen nicht zurecht. Deshalb übernehmen robuste und angepasste Tierarten die Pflege. Den Anfang machten 2012 die Wasserbüffel des Wasserbüffelhofs Riedheim, seit 2023 auch großflächig im Naturschutzgebiet. Schottische Hochlandrinder waren zuvor kleinflächig im Einsatz – mit der neuen Weidegemeinschaft seit 2024 nun ebenfalls großflächig. Die Einrichtung der Weideflächen wurde durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und das Bayerische Umweltministerium finanziert.

Madeleine Riedel ist eine der Landwirte, die sich um die Weideflächen im Leipheimer Moos kümmern. „Wir sind sieben ausgebildete und praktizierende Landwirte aus allen Leipheimer Stadtteilen.“ Seit 2024 weiden ihre Hochlandrinder im Moos – die Zahl ist seitdem gewachsen und die Landwirte würden sich freuen, wenn noch weitere Weideflächen hinzukommen würden, auch, wenn das mit großer Arbeit für die Landwirte verbunden ist. Jeden Tag ist einer von ihnen vor Ort und schaut nach dem Rechten. Wenn es etwas zu tun gibt, beispielsweise wenn ein Zaun erneuert werden muss, helfen alle mit. Denn der Arbeitsaufwand im Moos ist deutlich höher als bei einer trockenen Weidefläche.

Landwirt Mathias Kreiß sagt dazu: „Das wäre allein nicht zu stemmen. Die Zusammenarbeit zwischen uns Landwirten aber auch mit der ARGE Donaumoos funktioniert sehr gut. Von dieser Zusammenarbeit profitieren alle Seiten.“ Die Biodiversitätsberaterin der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Günzburg, Judith Kronberg, sieht das genauso: „Hier werden Naturschutz und Landwirtschaft zusammengebracht. Das ist keine einfache Aufgabe, aber in diesem Fall funktioniert es sehr gut.“ Denn die Beweidung trägt maßgeblich zum Klima- und Artenschutz im Moos bei. Sie schafft strukturreiche Lebensräume und stabilisiert die nassen Böden als natürlichen CO₂-Speicher. Seit der Wiedervernässung hat sich die Vegetation im Moos stark verändert – genau wie erhofft. Die Beweidung wird so gesteuert, dass seltene Arten und Pflanzengesellschaften erhalten werden.

Leipheims Bürgermeister Christian Konrad ergänzt: „Im Moos sind viele Tiere und Pflanzen beheimatet, die auf der Roten Liste stehen.“ Moore gibt es nicht mehr viele in Deutschland. Aber zahlreiche spezialisierte Arten sind auf genau diese seltenen Lebensräume angewiesen. „Das zeigt, wie wichtig die Arbeit der Landwirte im Moorschutz ist“, betont Landrat Hans Reichhart.